zusammengefassten Ergebnisse einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung zu Fremdenfeindlichkeit in Europa

Zentrale Ergebnisse:

• Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist in Europa weit verbreitet. Sie ist zudem keineswegs ein Phänomen von politischen Randgruppen, sondern findet sich auch in der Mitte der Gesellschaft. Auffallend einig sind sich die Europäer/innen in ihrer Ablehnung von Einwanderer/innen und Muslim/innen. Rund die Hälfte aller europäischen Befragten ist der Ansicht, es gebe zu viele Zuwanderer/innen in ihrem Land. Ebenfalls etwa die Hälfte aller europäischen Befragten wünscht sich ein Arbeitplatzvorrecht für Einheimische in Krisenzeiten. Rund die Hälfte verurteilt den Islam pauschal als eine Religion der Intoleranz. Ein Gegengewicht zu diesen negativen Einstellungen bilden die knapp 70 Prozent aller Befragten, die in Zuwanderer/innen eine Bereicherung für die eigene Kultur sehen. Zwischen 17 Prozent der Befragten in den Niederlanden und über 70 Prozent in Polen meinen, Juden/Jüdinnen versuchten heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind. Rund ein Drittel der Befragten glaubt an eine natürliche Hierarchie zwischen Menschen verschiedener Ethnien. Die Mehrheit in Europa vertritt zudem sexistische Einstellungen, die auf eine traditionelle Rollenverteilung setzen, und fordert, dass Frauen ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen sollten. Gleiche Rechte werden homosexuellen Menschen von zwischen 17 Prozent der Befragten in den Niederlanden bis hin zu 88 Prozent der Befragten in Polen verweigert.

• Die repräsentativen Daten bieten zudem die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen einzelnen Ländern zu analysieren. Entgegen der überall vorhandenen Ablehnung von Einwanderer/innen und Muslim/innen unterscheidet sich das Ausmaß an Antisemitismus, Sexismus und Homophobie zwischen den Ländern deutlich. Die Befragten in den Niederlanden äußern sich insgesamt am wenigsten abwertend; allerdings ist die Islamfeindlichkeit dort ähnlich stark ausgeprägt wie in den anderen Ländern. Im europäischen Vergleich fallen die osteuropäischen Länder Ungarn und Polen durch eine hohe Ablehnung aller angesprochenen Minderheiten auf. Neben Ungarn erreicht die Fremdenfeindlichkeit aber auch in Großbritannien ein verhältnismäßig hohes Ausmaß, während in Frankreich wie auch den Niederlanden Fremdenfeindlichkeit im Vergleich zu den anderen Ländern weniger Zustimmung erhält; dennoch ist das Ausmaß auch hier bemerkenswert. Antisemitismus

2ist insbesondere in Polen und Ungarn stark, in Großbritannien und den Niederlanden vergleichsweise weniger verbreitet; nichtsdestotrotz vertreten auch dort besorgniserregend viele Befragte antisemitische Einstellungen. In Italien ist im Vergleich zu den übrigen Ländern Rassismus auffallend gering ausgeprägt, Homophobie hingegen, wie auch in Portugal, Polen und Ungarn, deutlich verbreiteter. Das Ausmaß Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit liegt in Deutschland im europäischen Mittelfeld, jedoch mit Blick auf bestimmte abgewertete Gruppen – auch was das Ausmaß der Abwertung von Muslim/innen betrifft – höher als bei den westeuropäischen Nachbarländern. In Portugal, Polen und Ungarn ist gleichermaßen eine relativ starke Ausprägung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus nachweisbar. Geht es um Muslim/innen, ist sich Europa in seiner ablehnenden Haltung weitgehend einig; lediglich in Portugal ist das Ausmaß von Islamfeindlichkeit etwas geringer.

• Vorurteile gegenüber einer Gruppe gehen häufig mit solchen gegenüber anderen Gruppen einher. Die einzelnen Elemente von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bilden ein eng miteinander verknüpftes Syndrom der Abwertung.

• In allen Ländern haben die Befragten mehrheitlich das Gefühl, von Politiker/innen nicht gehört zu werden. Dabei sind politische Einstellungen und das Gefühl, politischer Machtlosigkeit maßgebend für die Bereitschaft, menschenfeindlichen Aussagen zuzustimmen: Diejenigen, die sich politisch eher rechts positionieren, sich politisch machtlos fühlen, eine starke Führerfigur wünschen und die Todesstrafe befürworten, sind im Durchschnitt gruppenbezogen menschenfeindlicher. Ebenso tendieren jene stärker zur Abwertung von schwachen Gruppen, die ein negatives Bild von der EU haben. Das generelle politische Interesse ist kaum relevant für die Verbreitung von Vorurteilen.

• Zudem untersucht wurden weitere Bestandteile rechtsextremer Einstellungen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist u.a. mit drei grundlegenden ideologischen Orientierungen verbunden: Mit dem Autoritarismus – eine auf Recht und Ordnung sowie Disziplin setzende Grundhaltung; mit der Sozialen Dominanzorientierung – die Befürwortung von sozialen Hierarchien zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘; und mit der Ablehnung von Diversität – einer generell ablehnenden Haltung gegenüber Vielfalt von Kulturen, Ethnien und Religionen innerhalb eines Landes.

• Ein klarer Zusammenhang ergibt sich bezüglich der Einflussfaktoren Alter, Bildung und Einkommen: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nimmt mit dem Alter zu und mit besserer Bildung und höherem Einkommen ab, letzteres mit Ausnahme Italiens. Bemerkenswerterweise spielt das Einkommen für das Ausmaß von Islamfeindlichkeit und Homophobie nur eine geringe Rolle. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Einstellungen hingegen kaum.

• Untersucht wurde neben der Einstellungsebene auch die Verhaltensdimension: Die Ergebnisse zeigen, dass abwertende Einstellungen, auch handfeste Folgen haben. Mit Bezug auf die Gruppe Einwanderer/innen lässt sich nachweisen, dass diejenigen, die schwache Gruppen abwerten, sich auch mit größerer Wahrscheinlichkeit gegen die Integration von Einwander/innen aussprechen, ihnen eher eine

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gleichberechtigte politische Teilhabe verweigern und eher bereit sind, Einwanderer/innen zu diskriminieren und ihnen mit Gewalt zu begegnen.

• Die wichtigsten Erklärungsfaktoren von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind neben einer autoritären und hierarchiebefürwortenden Grundhaltung außerdem das subjektive Gefühl der Bedrohung durch Einwanderer/innen und das Gefühl der Orientierungslosigkeit in der heutigen Zeit. Auch ein geringes Einkommen und das Gefühl der Benachteiligung spielen eine Rolle.

• Die wichtigsten Schutzfaktoren vor Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind das Vertrauen in andere Menschen, das Gefühl, feste Freundschaften schließen zu können, der Kontakt mit Einwander/innen, und vor allem eine positive Grundhaltung gegenüber Diversität. Religiosität schützt hingegen nicht vor Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Auch allgemeine Werthaltungen, die Sicherheit und Universalismus betonen, sind hierbei kaum relevant.

Hier das ganze Dokument

Zusammenfassung der deutschen Daten von der Tagesschau

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