Mücheln: faschistischer Angriff auf Familie of Color

Veröffentlicht: März 11, 2012 in fight white supremacy. fight racism.

*Mobile Opferberatung bittet nach rassistischem Angriff auf türkischen
Imbiss in Mücheln (Sachsen-Anhalt) dringend um Spenden
Deutliche Zeichen der Solidarität mit Opfern rassistischer Gewalt notwendig
*
Ein halbes Dutzend Rechte haben in den späten Nachmittagsstunden des 25.
Februar 2012 in Mücheln (Saalekreis/ Sachsen-Anhalt) einen türkischen
Imbissbetreiber und seine Lebensgefährtin vor den Augen ihrer
siebenjährigen Tochter angegriffen und in Todesangst versetzt. Nach
diesem rassistischen Angriff steht die Kleinfamilie vor den Trümmern
ihrer Existenz.

*Unmissverständliche Morddrohung, Faustschläge und Fußtritte
*
Gegen 17 Uhr betraten sechs Unbekannte, darunter zwei Frauen, das erst
vor knapp vier Monaten eröffnete „Grillhaus“. Bevor zwei der Männer den
25-jährigen Imbissbetreiber Yasar N. (Name geändert) zu Boden warfen
und auf ihn eintraten und -schlugen, drohte einer der Angreifer dem
Paar: Wenn sie den Laden bis zum 20. April — dem Geburtstag des
„Führers“ — nicht zumachten, seien sie „die 12. Person“, die in der
Zeitung stünden. Bei dem Versuch, den Angriff zu beenden, wurde auch die
Lebenspartnerin des Imbissbetreibers  durch einen Faustschlag
an der Schulter verletzt. Währenddessen machten sich die anderen aus der
Gruppe lautstark über die Betroffenen lustig.

Erst als die 32-Jährige, die die Angreifer immer wieder anschrie
aufzuhören, zur Theke lief und ein Dönermesser in die Hand nahm, ließen
die Angreifer von Yasar N. ab. Erst jetzt gelang es ihm, die 7-Jährige,
die bis dahin alles hatte mit ansehen müssen, in einem kleinen
Abstellraum in Sicherheit zu bringen. Währenddessen verließen die
Angreifer das Lokal und die Betroffene bat eine Kundin, die Polizei zu
alarmieren.

Kurz darauf versuchten mehrere Angreifer erneut, in den Verkaufsraum zu
gelangen. Unter Aufbietung all ihrer Kräfte gelang es den Betroffenen,
die Eingangstür zu verschließen, obwohl die Angreifer immer wieder von
außen dagegen gedrückt und getreten und dem 25-Jährigen durch den
geöffneten Türspalt Faustschläge versetzt hatten. Dann zerstörten sie
die Doppelglasscheibe in der Eingangstür, sodass beide Betroffenen durch
Glassplitter verletzt wurden. Das Paar versteckte sich daraufhin in der
Küche und rief noch zwei Mal über Notruf die Polizei. Dennoch dauerte es
geraume Zeit, bis schließlich ein Streifenwagen vor Ort eintraf. In der
Zwischenzeit hatten sich immer mehr Symphatisant_innen der
Angreifer_innen vor dem Geschäft versammelt und verhöhnten die Betroffenen.
*
Existenzielle Notlage nach Angriff*

Yas,ar N. hatte vor dem Angriff gehofft , durch den Imbissbetrieb
langfristig seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Doch nun ist
seine Zukunft völlig ungewiss. Seit dem Angriff fühlen sich der
Imbissbetreiber und seine Freundin im „Grillhaus“ nicht mehr sicher und
fürchten angesichts der unmissverständlichen Drohung mit einer
NSU-Nachahmertat um ihr Leben. Am Tag nach dem Angriff, als Yasar N.
einige Sachen aus seinem Imbiss holen wollte, waren mehrere Autos, in
denen der Betroffene auch zwei der Angreifer wiedererkannte, mehrfach
mit aufheulendem Motor an dem Geschäft vorbeigefahren. Zudem fand das
Paar mehrere Aufkleber mit rechten Parolen am und in der unmittelbaren
Umgebung des Imbiss vor.

Trotz seiner massiven Ängste war der Betroffene aufgrund finanzieller
Nöte gezwungen, den Imbiss nach einwöchiger Pause wieder zu öffnen. Ein
Teil der zuletzt für 680 Euro auf Kommission gekauften Lebensmittel
konnte allerdings nicht mehr verarbeitet und verkauft werden. Viel
schwerer aber wiegt, dass seit dem Angriff, der sich wie ein Lauffeuer
in Mücheln herumgesprochen hat, die Kundschaft weitestgehend ausbleibt.
Wovon der 25-Jährige die laufenden Kosten für Miete, Strom, Abwasser und
Versicherung in Höhe von 1100 Euro monatlich begleichen soll, ist
ungewiss. Auch die kaputten Scheibe im Wert von ca. 150 Euro, die nicht
von der Versicherung abgedeckt ist, kann er momentan nicht ersetzen.
Denn Yasar N. verfügt über keinerlei finanzielle Rücklagen. Im
Gegenteil: Für die nötige Renovierung und Ausstattung des erst Anfang
November 2011 eröffneten Imbiss hat er sich um etliche tausend Euro
verschuldet.

Eines steht für den 25-Jährigen allerdings unumstößlich fest: Auf Dauer
wird er nicht in Mücheln bleiben. Zwar hat die Polizei mittlerweile
umfängliche Maßnahmen zum Schutz des Imbiss getroffen. Doch die Angst
vor einem erneuten Angriff bleibt, egal ob in Mücheln oder anderswo.
Eine Perspektive als Imbissbetreiber ist für ihn momentan nicht
vorstellbar. Sollte Yasar N. zudem keinen Nachmieter für den Imbiss
finden, der auch die neugekaufte Einrichtung übernimmt, steht er vor dem
finanziellen Ruin.

Die Mobile Opferberatung bittet daher um Spenden für den entstandenen
finanziellen Schaden: als deutliches Zeichen der praktischen Solidarität
mit der betroffenen Familie und als klares Signal an die Täter_innen,
dass rassistische Gewalt und die Verherrlichung der NSU-Morde nicht
geduldet werden.

_Spendenkonto:_
Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Konto-Nr.: 53 53 53
Bankleitzahl: 810 205 00
Verwendungszweck: Angriff Mücheln

Da Miteinander e.V. — der Träger der Mobilen Opferberatung – als
gemeinnützig anerkannt ist, ist Ihre Spende steuerlich absetzbar. Auf
Wunsch wird Ihnen gern eine Spendenbescheinigung übersandt. Gehen mehr
Spenden ein, als zur Bewältigung der Angriffsfolgen benötigt werden,
werden sie dem Opferfonds für Betroffene fremdenfeindlicher und
rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt bei Miteinander e.V. zur
Verfügung gestellt, um weitere Betroffene von rechter, rassistischer und
antisemitischer Gewalt unbürokratisch finanziell zu unterstützen (mehr
dazu unter http://www.miteinander-ev.de).


Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt
Platanenstr. 9
06114 Halle
Tel.: 0345 / 2 26 71 00
Fax : 0345 / 2 26 71 01
Funk: 0175 / 1 62 27 12
http://www.mobile-opferberatung.de

Solidarität kann die Folgen rechter, rassistischer und antisemitischer
Gewalt nicht ungeschehen machen, aber sie kann entscheidend dazu
beitragen, ihre Auswirkungen abzumildern. Jede Spende hilft!

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