Hungerstreik von Geflüchteten – politische Unterstützung!

Veröffentlicht: April 4, 2012 in fight white supremacy. fight racism., sin banderas sin fronteras
BITTE HELFT!

Hallo Freunde, Hallo Aktivisten und Aktivistinnen, Hallo empörte!

Ich schreibe euch heute aus einem Anlass, der mir so wichtig und imminent
erscheint wie kein anderer zuvor. Hier in Würzburg sterben derzeit
Menschen! Ich Rede nicht von dem alltäglichen leid, dass die Menschen in
Armut erleben müssen, sondern von 10 mutigen, aber auch verzweifelten
Männern, die sich entschieden haben, nicht weiter leben zu wollen.

Es handelt sich um iranische Flüchtlinge aus einer sogenannten
Gemeinschaftsunterkunft (GU), welche überall in Deutschland existieren.
Diese Unterkünfte sind in den meisten Fällen heruntergekommene Baracken aus
Kriegszeiten, die sonst keinerlei nutzen mehr hätten. Hier in Würzburg
haben die teilweise vom Krieg gezeichneten oder politisch verfolgten
Flüchtling die "Ehre" in der ehemaligen Adolf Hitler Kaserne untergebracht
zu sein. Die Bedingungen für Flüchtlinge sind beschämend schlecht dort ;
erwachsene Menschen müssen sich zu fünft ein Zimmer teilen, essen gibt es
zweimal die Woche zu kaufen, wobei die Auswahl sehr beschränkt, und nicht
auf die unterschiedlichen kulturellen Bedürfnisse von dutzenden
Nationalitäten abgestimmt ist. Sie erhalten 40€ "Taschengeld" im Monat, von
denen sie ihr soziales und kulturelles leben gestalten können (Eine
einfache Busfahrt von der GU in die Stadt kostet ca. 2,50)

Die Flüchtlinge haben während des Verlaufs eines Asylantrags weder das
recht zu arbeiten, noch das recht sich frei in zu bewegen-sie sind auf
einen Bezirk beschränkt. Eine Wohnung dürfen sie sich auch nicht nehmen,
selbst wenn sie sich eine leisten könnten. Somit sind sie regelrecht dazu
verdammt, während den teilweise über Jahre andauernden Asylanträgen in
diesen Unterkünften, mit diesen Bedingungen zu leben.

Vor 2 Monaten erhängte sich ein junger Iraner in seinem Zimmer in der GU.
Der Hintergrund war der unmenschliche Zustand, dass der politisch
verfolgte, und dadurch sowieso schon gezeichnete, Mann nicht mit seiner
Schwester vereint werden durfte, die in einem anderen Bezirk
"untergebracht" war. Irgendwann hat er aufgegeben...
Da sich die Verhältnisse und Zustände nach wie vor nicht gebessert haben,
sind vor 16 Tagen 10 iranische Flüchtlinge in den Hungerstreik getreten. Es
handelt sich um männer, die im iran die todesstrafe verhängt bekommen
haben, und teilweise deutlich von narben gezeichnet sind-sowohl körperlich
als auch seelisch. Unter ihnen befinden sich ehemalige Beamte aus dem Iran,
Studenten und sogar eine Dozent der Uni in Teheran.

Damit möglichst viel Druck auf die Öffentlichkeit und die Regierung
ausgeübt werden kann, haben sie den Rathausplatz in Würzburg occupiert, um
dort öffentlich in den Tod zu gehen. Echte demokratie jetzt/Occupy Würzburg
hat sich von Tag 1 an solidarisiert, und ist seit dem 19.03 dort mit 5
weiteren Campingzelten vertreten, um zu helfen bei Kommunikationsproblemen,
Spendenaufrufen und für banale Dinge wie die gute alte Nachtwache ( in der
ich euch gerade schreibe) .

Mittlerweile sind 2 der netten Männer bereits umgekippt, wegen
Kreislaufproblemen, und verschärft wird die Situation nun auch noch durch
den Umstand, dass die Flüchtlinge nach 2 Wochen ohne Ergebnis nun nur noch
Wasser zu sich nehmen wollen. Ich habe sie kennen und schätzen gelernt, und
fürchte nun um ihr leben! Mittlerweile besteht für mich kein Zweifel mehr,
dass sie ihr Anliegen bis zum sprichwörtlichen Ende durchsetzen werden, und
die verantwortlichen in der Politik schieben die Zuständigkeit vor sich
her. Ein Arbeitskreis, der sich heute gegründet hat, plant einen
internationalen aktionstag für diese Flüchtlinge. Wir haben mittlerweile
aus der halben Welt solidaritätsbekundungen erhalten, und hoffen, dass
diese Solidarität am 14.04 zum Ausdruck gebracht wird. Wir arbeiten nun an
der Aktivierung möglichst vieler Freunde und Unterstützer.

Die situation in würzburg hat sich zum Präzedenzfall entwickelt, da es hier
um die Flüchtlingspolitik Deutschlands geht und dies nicht nur ein
öffentlicher Platz ist, der erfolgreich gegen den Willen der Stadt
occupiert wurde, sondern auch ein Kampf gegen herrschendes unrecht, der so
in Deutschland normalerweise nicht stattfindet: mit dem stärksten Waffe,
die der Mensch hat-mit dem Einsatz seines Lebens. Ich unterstütze jeden
menschen, der für sein recht zu existieren einsteht, und nicht gehört wird.
Dies ist hier der Fall. Es kann nicht sein, dass ich in einem Land lebe,
indem man tatenlos zusieht, wie Menschen sterben! Ich bitte jeden, der mich
kennt, darum, sich persönlich angesprochen zu fühlen, denn ich meine
genau-dich! Diese Leute- und ich- brauchen deine Hilfe! Aktiviere Leute,
plane eine demo, Gründe eine AG! Geplant ist der 14.04, ein samstag, und
wir bitten jeden, sich in irgendeiner Weise zu beteiligen. Wir brauchen
Demos in jeder möglichen Stadt!

Wenn diese Sache Erfolg hat, ist sie ein Musterbeispiel für das
Durchsetzungsvermögen des Menschen, wenn er bereit ist, alles zu geben-und
es überleben 10 Menschen, die den glauben an Menschenrechte schon fast
aufgegeben haben.

Bei jeglicher Form von möglicher Unterstützung Mail an mich oder
occupywuerzburg@googlemail.com
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